In den Siebziger Jahren hatte der deutsche Schlager seine Blütezeit. Im Fernsehen entging niemand Jürgen Marcus, Manuela und Tony Marshall. Es gab die ZDF-Hitparade, Ilja Richters „Disco“, Rainer Holbes „Starparade“ und etliches mehr. Für die Spezies von montana-Chef Hans R. Beierlein war in diesen Shows kein Mikrofon frei. Seinen französischen Künstlern – Gilbert Bécaud, Adamo, Michel Sardou, Dalida – fehlte auf beiden deutschen Kanälen die Plattform.
In ZDF-Redakteur Gerd Bauer (Beierlein: „Einer der besten“) fand der Manager einen Partner mit offenem Ohr und Sinn für die unplatten Texte der Chansonniers. Gemeinsam erfanden sie den „Liedercircus“. Natürlich sollten dort auch deutschsprachige Künstler auftreten, die mit ihren Liedern etwas zu sagen hatten – wie Reinhard Mey, Klaus Hoffmann, André Heller. „Vor allem aber“, sagt Beierlein, „hatte ich das Ziel, französischen Sängern große Auftritte zu garantieren.“
Als Moderator schlug er einen Künstler vor, der in Udo Jürgens Musical „Helden, Helden“ die Hauptrolle gespielt hatte: Michael Heltau, ein Ingolstädter, der in Österreich aufgewachsen war und bei den Salzburger Festspielen genauso brillierte wie am Wiener Burgtheater. Er war die Idealbesetzung, konnte er doch auch als Interpret auftreten. Heltau sang die Lieder des belgischen Chanson-Königs Jacques Brel, brillant eingedeutscht von Kabarettist Werner Schneyder.
„Die Bar des Bayerischen Hofs in München war damals das Zentralorgan der französischen Chansonszene“, erinnert sich Beierlein an eine „wunderbare Zeit“. Über zwanzig Sendungen wurden produziert. Als Heltau wegen Theaterverpflichtungen die Termine zu eng wurden, übernahm Helga Guitton, Chefsprecherin des Musiksenders Radio Luxemburg, einige „Liedercircus“-Moderationen.
montana-Geschäftsführerin Bizzi Nießlein versucht seit Jahren, den Zirkus wieder aufzusperren – kein TV-Redakteur hat jedoch den Mut. „Dabei ist das ein Format, das viele Zuschauer vermissen“, sagt sie.