Zum täglichen Lektürestapel von montana-Gründer Hans R. Beierlein zählt seit Jahrzehnten die „Süddeutsche Zeitung“. Dem Münchener Prime-Blatt schreibt er gar einen bemerkenswerten Anteil am fortdauernden Erfolg und der Zukunft seines Medienunternehmens zu: Ein Inserat, mit dem montana 1987 eine Rezeptionistin suchte, erwies sich als Schuss ins Schwarze.
Waltraud B. Nießlein hatte gerade nach Studienjahren in Freiburg, Paris und München ihr Magister-Examen abgelegt. Während sie noch grübelte, wie man die Studiengänge Politologie, Volkswirtschaftslehre und Französisch zu einer Karrierehoffnung verknüpfen könnte, kam ihr das Jobangebot höchst gelegen. „Ich konnte mit montana und dem Namen Hans R. Beierlein damals nichts anfangen“, erinnert sich die Professorentochter aus Graz. Doch nach dem Motto „Ich war jung und brauchte das Geld“ freute sie sich über die Einladung zum Vorstellungsgespräch und erst recht über den Vertrag in Folge. Vier Monate lang war sie die montana-Stimme am Telefon, staunte, wie ein einzelner Hahn zwei Dutzend Hennen bei Laune hielt, und blätterte die Archivordner durch. „Dabei“, sagt sie, „kriegte ich erst mit, in welch einem spannenden Laden ich gelandet war. Das Metier faszinierte mich.“ Sie stellte den Chef vor die Alternative „Abschied oder mehr Verantwortung“ und konnte damit Eindruck schinden. Beierlein überließ ihr sein Lieblingskind, den PR-Dienst „medien-telegramm“ und Waltraud B. Nießlein legte die angefangene Doktorarbeit eine Schublade tiefer.
Dort ruht sie noch, seit nunmehr 22 Jahren, in denen die Autorin zur Geschäftsführerin und Mitinhaberin der Münchener Kreativschmiede avancierte. Beierlein fasst die Gründe für den rasanten Aufstieg in die Vertrauensposition zusammen: „Sie ist besser als andere. Sie hat eine überragende Begabung, zu erkennen, was wichtig ist und welche Menschen als Partner und Freund in Frage kommen und mit wem es sich lohnt, zu kooperieren. Ganz ohne Frage: Sie hat die montana in den letzten zehn Jahren unübersehbar mit geprägt“.
Das B. vor Nießlein steht für Bizzi. Beierlein adaptierte den von der Oma eingeführten Schmusenamen, der seit ihrer Kindheit zu ihr gehört, wie Arme und Beine. Für den Manager hat er eine besondere Bedeutung erlangt: „Der Name Bizzi wurde zu einem Markenzeichen für Vertrauen, Intelligenz und Kreativität. Sie kann mit Menschen umgehen und wird dank ihrer Intelligenz von allen Seiten anerkannt. Ihre exzellente Bildung hilft ihr dabei.“
Bizzi Nießlein bezeichnet Beierlein als ihren „Mentor“, will heißen: als den Menschen, der für ihr Leben prägend war und ist. Im montana-Haus am Englischen Garten in München arbeiten sie Tür an Tür, oft Stuhl an Stuhl, nach außen als Einheit, intern oft kontrovers. „Es gibt eigentlich keinen Tag ohne heftige Diskussionen.“, sagt sie. Jedes Detail wird gemeinsam diskutiert und entschieden. Wobei Beierlein gern den gütigen Gottvater spielt und Bizzi in die Rolle des charmanten aber kühlen „bad girls“ drückt: „Auch besonders gern bei Personalfragen.“ Dabei fühlt sie sich am wohlsten in der Rolle des Friedensengels, der sie auch optisch eher entspricht. Bizzi Nießlein brachte Hans R. Beierlein und Udo Jürgens nach 17-jährigem Grollen an einen Tisch. Es war der Wiederbeginn einer wunderbaren alten Freundschaft.
An Beierleins Seite lernte Bizzi Nießlein die Koryphäen der Showbiz- und Medien-Landschaft kennen, in unzähligen Gesprächen und Verhandlungen wuchs sie auf Augenhöhe. Bei juristischen Fragen war Beierleins Freund und Hausanwalt Axel Meyer-Wölden ihr Lehrmeister. Beierlein fasst zusammen: „In einem Bereich zwischen Presse und Musik, Fernsehen und Verlagen, Autoren und Sängern, begegnen einem im Laufe der Zeit unendlich viele Menschen, gescheite und deutlich weniger gescheite. Da erscheint es fast einem Wunder gleich, wenn einem ein Mensch von der Qualität Bizzi Nießleins begegnet.“
Das Wunder auf langen Beinen widerstand jeglichem Abwerbeversuch. „Ich habe mich in 22 Jahren bei montana keinen Tag gelangweilt“, sagt sie. „Wer kann das bieten?“ Schließlich sei montana kein konventioneller Musikverlag, der lediglich Musiktitel verwaltet und die Gema-Abrechnungen überprüft. „Wir vermarkten unsere Titel aktiv, konzipieren Sendungen und Kampagnen, kümmern uns intensiv um die Künstler. Das macht kein anderer Musikverlag“, sagt Bizzi Nießlein, deren persönlicher Musikgeschmack mit montanas Brot-und-Butter-Geschäft Volksmusik nicht sonderlich konform geht. Nichtsdestotrotz sind ihr die einschlägigen montana-Erfolge mit anzurechnen – vom „Grand Prix der Volksmusik“ bis zu Millionensellern wie „Patrona Bavarae“, von den Schürzenjägern bis zum Naabtal-Duo, von Stefanie Hertel bis Florian Silbereisen.
Vor einiger Zeit ordnete Hans R. Beierlein, ein Mann ohne familiäre Verzweigungen, die Zukunft seiner Unternehmungen. Bizzi Nießlein wurde Geschäftsführerin, vor einigen Jahren Gesellschafterin. Sie wird, wenn Gründer Hans R. Beierlein nicht mehr zur Verfügung steht, die montana weiterführen. Beierlein hat sich den Schritt gut überlegt; „Wer soviel an Begabungen und Ideen einbringt, schafft automatisch den Sprung an die Spitze. Ein guter Geschäftsmann, für den man mich hält, hat auch die Aufgabe, für das Fortbestehen seines Hauses nach dem eigenen Tod zu sorgen. Falls ich einmal nicht mehr in der Lage sein sollte, die montana zu führen, weiß ich sie bei Bizzi Nießlein in den besten Händen. montana bleibt.“ Ihn quält nicht der Gedanke, dass sein Lebenswerk vom Markt verschwinden könnte: „Die Haie, denen man nachsagt, nur darauf zu warten, bis ein Senior abtritt, um zuzuschnappen, die haben bei Bizzi Nießlein keine Chance.“
„montana wird in der bewährten Form weiterlaufen“, verspricht auch Bizzi Nießlein. Die Aussicht auf lebenslange 15-Stunden- Arbeitstage schreckt sie nicht, obwohl sie einen Jungmädchentraum nie aufgegeben hat: „Irgendwann möchte ich mal heiraten“. Dass sich die Zielflagge bislang nicht senkte, liegt begündet am rasanten Leben auf der Überholspur und am „großen Spaß daran“.