Zur Vielzahl der Jubiläen, die 2009 anstehen – allen voran 60 Jahre Bundesrepublik und 20 Jahre Maueröffnung – gesellt sich ein kleines, das für die deutsche Musikbranche nicht ganz unerheblich ist. Die Branchenzeitschrift „musikmarkt“ wird fünfzig.
Hans R. Beierlein, der 1959 gerade seinen Musikverlag „Edition Montana“ gegründet und gleich drei Millionenseller gelandet hatte („Banjo-Boy“, „Gitarren klingen leise durch die Nacht“, „Mustafa“) erinnert sich: „Es gab Fachzeitschriften für den Fensterputzerverband und für die Weichenstellergewerkschaft. Die deutsche Musikindustrie, mit einer Milliarde Umsatz kein unbedeutender Wirtschaftszweig, hatte kein eigenes Organ.“
Er überzeugte den Starnberger Verleger Josef Keller von der Idee. Keller hatte drei Jahre zuvor den Auftrag an Land gezogen, das Münchener Telefonbuch herauszugeben, was ihm wirtschaftlich einen langen Atem bescherte. Den brauchte er auch, denn das neue Blatt „Musikmarkt“ tat sich zunächst schwer. Die vier Plattenfirmen, die den Markt beherrschten, boykottierten das Blatt, das auch neuen Unternehmen ein Forum bot. Dem „Musikmarkt“ halfen zwei Faktoren, das erste Jahr gesund zu überstehen: Das Verlagsrückgrat aus dem Telefonbuchgeschäft und das Interesse der Musikbranche.
Schon die erste Ausgabe – mit der französischen Sängerin Dalida auf dem Cover – enthielt eine Neuerung, die wie eine Bombe einschlug: Die „Musikmarkt Hitparade“. Aus Befragungen von Jukeboxaufstellern, Radiosendern, Musikbands, Platten- und Notenverkäufern wurde eine monatliche Bestenliste erstellt. Die erste, vom Juni 1959, führte Freddy Quinn an mit „Die Gitarre und das Meer“. Schon nach einem Jahr wurde der Chart in 23 Ländern als offizielle deutsche Hitparade anerkannt.
Seit 1977 bekommt der „Musikmarkt“ die Listen von Karl-Heinz Kögels „media control“ geliefert. Das Blatt ist längst ein fester Bestandteil des deutschen Musikbusiness, eine Art Zentralorgan,
Chefredakteur ist Stefan Zarges.