Hans R. Beierlein - was macht er eigentlich?
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Der Text macht die Musik

Schlagertexter, zumal die des einfachen deutschen Liedguts, haben weder Chancen noch Ehrgeiz, Pulitzer- oder Nobelpreise zu gewinnen. Dennoch fuchste montana-Gründer Hans R. Beierlein bereits in den 60er Jahren die simple Herz-Schmerz-Thematik in hiesigen Hitparaden. Jenseits des Rheins, so erkannte er, waren angesehene und erfolgreiche Literaten am Werk, wenn Chansoniers passende Worte für ihre Töne suchten. Das französische Chanson hatte dadurch einen einzigartigen Ruf erworben.

Deutschland fehlte es nicht an angesehenen Literaten und Schriftstellern. „Aber sobald das Gespräch auf den Schlager kam, rümpften die Herren gemeinschaftlich die Nase“, erinnert sich Beierlein. Er entwickelte jedoch einen ungebremsten Ehrgeiz: „Ich wollte prominente Autoren gewinnen, für unsere Künstler Texte zu schreiben. Damit sollte dem schlechten Ansehen der Unterhaltungsmusik in Deutschland entgegen getreten werden.“

Es gelang ihm in der Tat, zwei der erfolgreichsten Literatur- und Kabarettautoren zu überzeugen. Dr. Eckart Hachfeld (1919-1994) war Autor vieler großer Spielfilme, vielgelesener Kolumnist und einer der berühmtesten Exponenten des literarischen Kabaretts. Ohne ihn hätte das Düsseldorfer „Kom(m)ödchen“ nicht seinen absoluten Spitzenrang einnehmen können. Hachfeld schrieb einige der besten und sinnigsten Lieder für Udo Jürgens – von „Aber bitte mit Sahne“ bis zum politischen Klagesong „Lieb Vaterland“, der 1970 in einem deutschen Staat Diskussionen, im anderen Verbote auslöste.

Als weiteren Starschreiber des politischen Kabaretts gewann Beierlein Dr. Werner Schneyder, den Cheftexter der „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“, für die Musikszene. Er übersetzte für Michael Heltau bravourös die Chansons von Jacques Brel.

Früh entdeckte Beierlein die Talente von Dr. Michael Kunze. Der Jurist wurde Udos wichtigster Texter bis 1977. Literarischen Ruhm erntete er wenige Jahre später – seinem weltweit gefeierten Tatsachenroman „Straße ins Feuer“ widmete die New York Times vier ganze Seiten.

Auch der seinerzeit erfolgreichste deutsche Romanautor Hans Hellmut Kirst (1914-1989), dessen Werke (08/15) millionenfach verkauft wurden, nahm Beierleins Offerte, für seine Künstler zu texten, gern an. Genauso gern, wie der vielfach preisgekrönte Kinderbuchautor James Krüss (1926-1997), der nicht nur Songs sondern ganze Fernsehserien im montana-Auftrag schrieb. Allerdings griff niemand für zweit- oder drittklassige Schlagersternchen zum Dichterstift – es mussten schon Künstler vom Format Udo Jürgens, Reinhard Mey oder André Heller sein.

mit Eckhard Hachfeld
Fotos: © Archiv montana
© 2012 Montana Musik Verlag GmbH & Co. KG