Dr. Helmut Thoma, schwergewichtiges Urgestein des deutschen Privat-TV, erklärte schon vor Jahrzehnten das Geheimnis eines erfolgreichen Fernsehprogramms: „Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.“ Mit der These, dass der persönliche Geschmack nicht dem Zuschauer aufgezwungen werden dürfe, holte Thoma 1993 die Marktführerschaft für RTL. Nur neun Jahre nach Gründung des Senders in einer Luxemburger Garage, hängte er die alten Tanten ARD und ZDF ab.
Thoma war schon im Gründungsjahr von RTL klar, dass zur Tuttifrutti-Mischung seines Programms auch volkstümliche Weisen gehörten. So hievte er mit tatkräftiger Unterstützung von montana-Chef Hans R. Beierlein die einstündige Schunkelshow „Heimatmelodie“ ins Programm. Sie wurde sieben Jahre lang zunächst von Maria & Margot Hellwig nebst rüstiger Mama moderiert, danach zwei Jahre von Marianne & Michael. 1992 übernahmen Peter Steiner und Tochter Gerda die erfolgreiche Quoten-Lok. Sie war 1990 vom vierzehntägigen Sonntagnachmittagplatz auf den Primetime-Platz am Freitagabend rangiert worden, und zwar Woche für Woche.
Als die „Heimatmelodie“ 1994 aus dem Programm genommen wurde, geschah dies nicht wegen der wöchentlich 6 Millionen Zuschauer, sondern weil deren Durchschnittsalter den Werbetreibenden nicht knackig genug erschien.
Thoma schied 1998 als Programmdirektor bei RTL aus. Der freundschaftlich-kollegiale Kontakt zu Hans R. Beierlein blieb erhalten.