Es war und ist für Hans R. Beierlein selten ein Problem, zweckdienliche Meldungen in den Medien zu platzieren. Sein Netzwerk im Print- und TV-Bereich ist dicht verknüpft, mit den wichtigsten Blattmachern ist er auf du und du, mit den meisten hat er schon mal gemütliche Abende verbracht.
Aber nicht jede neue Schallplatte, jede neue Fernsehsendung ist gleich eine Boulevard-Schlagzeile wert. Um derartige, fürs Geschäft wichtige Infos zu verbreiten, gönnte sich der montana-Chef 26 Jahre lang den Luxus eines eigenen Pressedienstes. 1965 erschien erstmals das „medien-telegramm“. Auf einem Dutzend hektografierter Blätter stand, was aus dem anschwellenden montana-Künstlerstall zu vermelden war.
Der Dienst fiel schon optisch auf – ein gelber Balken durchkreuzte die Seiten diagonal. Das montana-Markenzeichen, das auch die Briefbögen zierte, verschwand erst Ende der Achtziger, als eine unausgereifte Erfindung namens Telefax die gelben Balken auf dem Übermittlungsweg in schwarze wandelte.
Während die meisten PR-Dienste nur die unangenehme Eigenschaft haben, ungelesen die Papierkörbe zu verstopfen, zählte das „medien-telegramm“ zu den meistzitierten Printorganen im Land. Beierlein, der jede Ausgabe allein konzipierte und zu 90 Prozent auch selber schrieb, mischte PR-Meldungen über seine Künstler geschickt mit vordergründig neutralen News. So brachte das „medien-telegramm“ eine Serie über die Meisterköche der Nation – erst Monate später erkannte der fuchsschlaue Leser, dass damit die TV-Reihe „Essen wie Gott in Deutschland“ angetrailert wurde.
Häufig wurde im „medien-telegramm“ die Demoskopie bemüht. Ständig gab Beierlein neue Umfragen in Auftrag, deren Ergebnisse deutsche Medien mit Vorliebe kundtaten.
Das „medien-telegramm“ ging zehn- bis zwölfmal im Jahr an etliche hundert Bezieher bis in die obersten Chefetagen. Es war kostenlos, auch der Abdruck der Beiträge war honorarfrei und höchst erwünscht.
Bizzi Nießlein, die 1987 zu montanamedia kam, übernahm zunehmend die Redaktion und erwies sich zusehends als exzellente Info-Expertin. Eine Sonderausgabe zum 65. Geburtstag von Hans R. Beierlein im April 1994 war das letzte Exemplar. 100 Wegbegleiter des Jubilars taten ihre persönlichen Beierlein-Erfahrungen kund. Peter Alexander steurte ein eigens dafür geschriebenes Gedicht bei.
Als sich das Team Beierlein - Nießlein auch des Themas Essen annahm und die erfolgreichsten Kochbücher seit „Oetkers Kochbuch“ schufen, begleitete diese Aktion auch ein Pressedienst mit dem originellen Titel „Gourmedia“.
Beierlein ist zwar nach wie vor ein Mann des gedruckten Wortes und bei technischen Novitäten nicht der Erste, der vorprescht. Aber neuen Medien verschließt er sich nicht dauerhaft. News rund um montanamedia werden nun im „Navigator“ als Newsletter verbreitet.