Der letzte Dino

Showlegende Hans R. Beierlein starb mit 93.
Ein Nachruf von Hubert Bücken

Der König ist tot. „Der König des Showgeschäfts“, wie ihn die Medien in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts gerne titulierten. Hans R. Beierlein steuerte seit den 1960er Jahren die Karrieren zahlreicher Musikgrößen. Er konzipierte TV-Shows, machte Köche zu Fernsehstars und den Deutschen Fußballbund reich und gierig, indem er die TV-Übertragungen von Länderspielen vermarktete. Alles geschah unter seinem Lieblingscredo: „Es gibt ein Menschenrecht auf Unterhaltung.“

Hans R. Beierlein wurde 93 Jahre alt. Der einstige Medienmanager starb am ….. in seiner weitläufigen Luxuswohnung im Münchener Nobelviertel Bogenhausen. Sie liegt unweit seines einstigen Firmensitzes „montanamedia“. Das Haus in der Königinstra0e galt jahrzehntelang als Nabel der Unterhaltungsbranche, ehe der Firmengründer sich 87-jährig zurückzog. Sehr konsequent, das Interesse am schillernden Gewerbe sank gegen Null.

„Hans führte in den letzten Jahren das Leben eines privilegierten Seniors“, sagt die Österreicherin Bizzi Nießlein, die seit 35 Jahren nicht von seiner Seite wegzudenken ist und einen Steinwurf entfernt wohnt. Für sie ist Hans R. Beierlein „mein Lebensmensch“., Als Aushilfsstudentin begann sie 1987 bei der „Montana“, stieg auf zur Geschäftsführerin und Mitgesellschafterin. Das intensive Vertrauensverhältnis mündete 2010 in einer Adoption. So kam Beierlein, der nur eine kinderlose Blitzehe hinter sich hatte, zu einer Tochter. Sie wird mangels sonstiger Verwandtschaft den Nachlass ordnen. Das Fundament des Unternehmens, die Rechte an über 6000 Musiktiteln, erwarb bereits 2014 der Musikkonzern BMG. Einst war darunter auch die Kommunistenhymne „Internationale“, die Beierlein medienwirksam eingeheimst hatte, um im sozialistischen Lager abzukassieren. „Insofern“, pflegte er sich zu beschweren, „bin ich ein Wiedervereinigungs-Geschädigter,“

Beierlein, der Zeit seines Lebens gern im Licht der Öffentlichkeit stand, wünschte für seinen Abgang eine stille Inszenierung: „Keine Trauerfeier, keine Rede, keine Öffentlichkeit“, bestimmte er handschriftlich. Bizzi Nießlein-Beierlein ließ seine Asche in aller Stille auf dem Friedhof in Schliersee bestatten. In dem bayerischen Dorf residierte Beierlein jahrzehntelang in einer Hangvilla hoch über dem See. Sie ist inzwischen verkauft; ebenso wie das Anwesen bei Nizza, in dem er gerne Entspannung suchte.

In seinen letzten Jahren kam Hans R. Beierlein mit der heutigen Welt nicht mehr zurecht, aber auch die glanzvolle Vergangenheit lag im Nebel. Manchmal schrieb er große Ideen auf kleine Zettel – und warf sie weg. Ein anderes Mal erzählte er seinen Haushälterinnen aus vergangenen Zeiten Selten nur hörte er noch die Interpretationen der Künstler, deren Ruhm und Erfolg sein Lebenswerk war. Udo Jürgens allen voran, aber auch Heino, Adamo, die Ofarims, Gilbert Becaud, Francoise Hardy, Alexandra, Milva. Später lag sein Focus auf der sogenannten Volksmusik, zu der er zahllose TV-Sendungen mit seinen Entdeckungen beschickte. Hansi Hinterseer, Stefanie Hertel, Stefan Mross oder die heutige TV-Vielzweckwaffe Florian Silbereisen.

Seit Jahren führt das „manager-magazin“ Beierlein n der Liste der 500 reichsten Deutschen im Mittelfeld. Er sonnte sich in dem Image des harten Verhandlungspartners, des Erfolgsmenschen, dem alles gelingt, was er anpackt. „Es hat mir sehr geholfen, den Ruf zu haben: Wenn du dem die Hand gibst, zähle die Finger nach“, sagte er gern. Adoptivtochter Bizzi, die täglich Stunden mit ihm zubrachte, befand, dass er milder wurde, von Jahr zu Jahr. Kontakt zu seinen einstigen Weggefährten suchte er nicht, zumal er den Großteil ohnehin überlebt hatte, und das in erstaunlich guter Kondition.

Gerne ist er mit Bizzi zur frühen Abendstunde in der Schwabinger Gastronomie aufgeschlagen. Ein gutes Menu schätzte er stets, hatten ihm seine TV-Reihen a la „Essen wie Gott in Deutschland“ in den 1990er Jahren doch zu goldenen Löffeln und der Huldigung zahlreicher Sterne-Köche verholfen. Möglichst lässig auf den Gehstock gestützt und stets schnieke gekleidet, versprühte er wie eh und je seinen deftigen Charme an die Damen im Restaurant. Vor Konflikten mit der „Me too“-Bewegung rettete ihn schon immer die Gnade der frühen Geburt.

Ein langes, erfolgreiches und ziemlich einmaliges Leben ist zu Ende gegangen. Bei vielen bleibt eine gewisse Wehmut. Alles hat seine Zeit, und die Zeit der großen Manager-Legenden, sie ist mit Hans R. Beierlein wohl so endgültig dahin, wie die Zeit der Dinosaurier.

 

Auch mit 90 noch fit und voller Ideen

Vertraute seit 35 Jahren: Adoptivtochter Bizzi Nießlein

Star und Manager: Udo Jürgens und Beierlein 1970